Montag, 27. September 2010

Ein aufregender Sonntag in Koraput

Es sind schon wieder ein paar Wochen rum und so langsam geht der erste Monat zu Ende. In einer Woche gehts dann in die einzelnen Dörfer, jeweils 2 bzw. 3 von uns zusammen. Doch jetzt erst mal zu meiner ersten wirklich hautnahen Erfahrung mit der bunten indischen Kultur.

Sonntag waren wir sieben alle zusammen in Koraput, bei Akutosh, der uns zum Gottesdienst und zu sich nach hause eingeladen hat. Es war ein geiler Tag! Los gings um 10 Uhr hier am Campus in Semiliguda. Ein Fahrer, der den ganzen Sonntag bei uns war, hat uns die halbe Stunde nach Koraput gebracht, wo auch direkt der Gottesdienst losging und wir 2 Stunden in der Kirche saßen. 2 Stunden Kirche hört sich verdammt öde an, aber es war genau das Gegenteil. Die Kirche war komplett voller Menschen. Die Männer, sowie ältere Frauen auf Stühlen und die jüngeren Frauen und Kinder vorne auf dem Boden. Wir durften auf Stühlen sitzen, da wir "Ehrengäste" waren, man könnte auch sagen, wir waren eine Attraktion dort. Die Türen waren über den ganzen Gottesdienst offen und es kamen auch nach einer Stunde immer noch neue Leute. Es war sehr laut, vielfältig und bunt, wie man auf den Bildern unschwer erkennen kann. Das Highlight der Farben war dann eine rotblinkende Lichterkette am Altar, die ein bischen "St.Pauli bei Nacht-Erinnerungen" weckte. Die Lautstärke kam entweder durch die mehr als 5 großen Boxen oder durch die paar hundert Kehlen, die teilweise nicht mitgesungen, sondern fast geschriehen haben. Insgesamt war es ein unglaublich schönes Erlebnis, was zum einen an der speziellen Art des Gottesdienstes lag und zum anderen daran, das wir auch richtig feierlich begrüßt wurden, mit Blumenketten, Blumenstrauß und vor allem viel Herzlichkeit. Wir haben vor der Gemeinde dann zur Begrüßung auch noch ein kleines Lied gesungen. Besonders hervorzuheben ist noch die Reisspende, die kurz vor Schluss gemacht wurde. Die Reisspende ist eine Tradition hier und bedeutet, dass jeder aus der Gemeinde etwas Reis in die aufgestellten Tonnen gibt, damit davon die ärmsten Menschen hier ernährt werden können. Am Ende kamen dann viele Frauen und Kinder, nur, um uns die Hand zuschütteln, war schon eine komische Situation. Für sie war es etwas Besonderes und sie haben sich darüber gefreut, deshalb haben wir jedem geduldig die Hand gegeben.

Wir waren nach dem Gottesdienst dann auch noch kurzzeitig einer mehr, denn Martin ein Franzose aus Straßburg, der auf Weltreise ist, ist mit uns zu Akutosh gekommen. Akutosh lebt mit seiner gesamten Familie(Eltern, Bruder, Schwester) zusammen in einer kleinen gemütlichen Wohnung, die ein bischen viel rosa an den Wenden hat, aber insgesamt sehr nett ist. Dort haben wir uns unterhalten, gegessen und gesungen. Die Mädels haben dann noch eine Art Bemalung auf den Arm bekommen, von seiner Schwester und Cousine.

Danach gings dann zu den Geschäften in Koraput, wo wir einen kleinen Stopp eingelegt haben, um Kleinigkeiten einzukaufen und durch die Gassen zu schlendern. Akutosh hat schön die Preise ausgehandelt, sodass wir immer ein bischen gespart haben, auch wenn hier alles, außer Nutella und anderen Importsachen, sehr sehr billig ist, im Vergleich zu Deutschland.

Von da gings dann weiter zu einem kleinen Berg, oder eher großem Hügel, der am Rand von Koraput liegt und von dem man die gesamte Stadt überblicken kann. Der Weg dorthin war sehr steil und sehr holperig. Teiweise hatte ich echt Angst, dass der Jeep verreckt, denn der Fahrer hat alles aus dem Motor rausgeholt, was ging. Die Aussicht war dann auf jeden Fall richtig gut, auf der einen Seite Koraput und auf den andern einfach der Blick über Flüsse, viele kleine Berge und vor allem viel Grün! Nach einer halben Stunde sind wir dann wieder zurück, haben Akutosh in Koraput abgesetzt und sind wieder zurück zum Campus.

Es waren viele schöne Eindrücke, die ich gesammelt habe und endlich auch Kontakte außerhalb des Campus. Wir alle freuen uns schon auf die nächsten Treffen mit Akutosh, die es auf jeden Fall geben wird, denn er hat uns schon zu mehreren Treffen und vor allem zu der Hochzeit seiner Schwester im Januar eingeladen. Da bin ich schon sehr gespannt, wie das aussehen wird!
Außerdem wird unser Tripp nach Jeypore jetzt wahrscheinlich am nächsten Sonntag stattfinden. So scheint die Zeit, in der wir fast auschließlich auf dem Campus waren und wenig Kontakt zu den Menschen hier hatten, zu Ende zu gehen. Spätestens in einer Woche, wenns in die Dörfer geht, wird das so sein. Deshalb blicke ich mit einem breitem Lächeln nach vorne und hab richtig Lust, dass es jetzt richtig losgeht!

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