… mit einer halben Stunde Verspätung ging es dann los auf eine unglaubliche Zugfahrt!
Ihr müsst euch einfach vorstellen, ihr kommt zu viert in einen Zug, seit total übermüdet und wollt nur noch auf eure Betten fallen, auch wenn sie noch so hart und klein sind. Dann liegen da aber schon zwei andere und pennen genüsslich. Zwischen den beiden steht ein riesiges, eingepacktes Fitnessgerät und eine Gitarre liegt auf einem der Hängebetten über ihnen. Somit haben sie drei Plätze belegt, von denen einer euch gehört. Man erkennt schon von weitem, dass sie peacige, weiße Freunde von freier Liebe und freiem Leben sind. Zufällig stammen sie auch noch aus Bayern und sind direkt vom Flughafen Mumbai in die Bahn nach Goa gestiegen, um die Freiheit Indiens zu erleben und „ihre Lieben“ zu treffen. Ganz entspannt fragt ihr sie dann, ob ihr ihr Ticket sehen könnt, da das ja eure Plätze seien. Als Antwort kommt aber nur eine verschlafene Frage: „Könntet ihr vielleicht in unser Abteil gehen? ...wir haben das verwechselt... und das wäre ja schon stressig... wenn wir jetzt alles wieder umpacken müssen.“ Natürlich wäre es überhaupt nicht stressig für euch, euer ganzes schönes Gepäck, das circa 20kg wiegt einmal durch die ganze Bahn zu schleppen, wo ihr doch so schön übermüdet seit und gar keinen Bock auf Diskussionen habt. Deshalb weist ihr sie wirklich noch mal freundlich darauf hin, dass das eure Plätze seien. Darauf kommt dann nur die Antwort: „Hey, das kriegen wir schon alles in Ruhe hin, gar kein Ding!“ Doch anstatt sich jetzt mal aufzuraffen und die Sachen beiseite zu räumen, gucken eure peacigen „Freunde“ nur doof und wissen nicht was sie machen sollen. Einem von euch wird’s zu dumm und er geht erst mal ein paar Meter weiter Luftschnappen, weil sonst die ganze friedliche Atmosphäre zerstört wäre. Die andern versuchen entspannt zu bleiben und räumen alles so hin, dass am Ende für alle sechs Platz da ist. Auch wenn euch eigentlich nicht interessiert, ob für die beiden Friedenstauben Platz da ist oder nicht, dies ist der schnellste Weg zu pennen. Das klappt dann nach circa ner halben Stunde Bahnfahrt auch ganz gut und lässt bis 11 Uhr auch Ruhe einkehren. Ab da müsst ihr euch beherrschen, denn ihr bekommt erzählt, was eure „Freunde“ noch so alles vorhaben. Zum Beispiel wollen sie in Goa in den unentdeckten Gegenden die Freiheit des Lebens spüren und danach noch in Südindien ihre „Lieben“ treffen und eine schöne Zeit mit ihnen verbringen. Untergebracht in ihre Erzählungen, haben sie bestes Hippie-Vokabular... das kann man einfach genießen!
Danach verbringt ihr auf jeden Fall eine Stunde an der offenen Bahntür und genießt bei circa 50km/h den Ausblick über Gegenden, die von Steppen über tropische Wälder und riesige, idyllische Flüsse alles zu bieten haben. So in etwas zieht sich das ganze dann bis Goa.
Nur zur Information: Alle Angaben sind mit Gewehr und entsprechen zu 99% dem Geschehen!
Angekommen in Goa gings dann aber wirklich gut los. Unser Abholservice war direkt da und hat uns vom Bahnhof zum Hotel gefahren. Dort waren wir dann auch gleich positiv überrascht, denn das Hotel war wie ausm Katalog und es gab sogar einen leckeren Begrüßungsdrink. Der nächste Hammer war dann das Zimmer, dass neben einer riesigen Dusche und einem netten Flachbildfernseher auch noch einen richtig gemütlichen Balkon hatte. Nach einem gemütlichen Essen im Hotelrestaurant und einer Shisha am Pool, ging es dann aber recht schnell ins Bett, denn nach dem frühen Aufstehen und der langen Zugfahrt, war man doch recht glücklich schlafen zu können. Die nächsten Tage lassen sich eigentlich recht gut zusammenfassen, denn sie waren allesamt sehr lustig, abwechslungsreich und entspannt und haben mir gezeigt, warum Goa immer mit Freiheit in Verbindung gebracht wird. Ich habe unter anderem Old-Goa, eine alte portugiesische Kolonialstadt, besichtigt, habe einen Abend an der Feiermeile Baga Beach genossen, bin zusammen mit Sven auf einem Moped einfach mal Richtung Süden gefahren und habe viel Zeit am Strand und in meiner neuen Lieblingsstrandbar „Habibi's Corner“ Corner verbracht. Das Habibi's liegt etwa 200 Meter vom Meer entfernt und wird von Sebi und Henry geleitet, die eigentlich auch immer zusammen mit ihren Gästen feiern und geil drauf sind. Sebi hat mir sogar versprochen nach Semiliguda zu kommen, mal sehen was daraus wird... wäre auf jeden Fall lustig!
Nach fünf Tagen kompletter Entspannung und richtig viel Spaß ging es dann am Abend des 12.02. weiter nach Ernakulam/Fort Kochin, in Kerala. Unser Zug sollte um 19:30 Uhr fahren und war dann auch schon um 20 Uhr da.
Es war fast schon etwas traurig aus dem eigentlich perfekten Urlaub in Goa wieder wegzumüssen. Schon an dieser Stelle hatte ich das Gefühl, ich wäre schon Monate unterwegs gewesen, denn ich hatte schon so viel erlebt und so viele neue Menschen kennengelernt, mit denen man extrem viel Spaß hatte. Trotzdem hatte ich immer noch Lust auf noch mehr Sehen und Erleben. Was dann in Kerala noch alles passiert ist, werde ich nächste Woche berichten...
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